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 Betreff des Beitrags: Jüdisch-Orthodox
BeitragVerfasst: 23.02.2016, 23:00 
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Eve Harris - Die Hochzeit der Chani Kaufman (jüd.-orthodox)

Das habe ich nun davon für unsere Bibliothek zu entscheiden, welche Bücher ich für unsere Leser kaufe. Einige sind von meiner "Wunschliste" und natürlich lese ich diese nun nach und nach, bevor sie in den Ausleih gehen. So muss ich Euch nun schon wieder von einem tollen Buch berichten. Ich habe ihm keine 48 Stunden gegeben mich ausgesprochen gut zu unterhalten und schließe mich den Meinungen beim großen Onlineversender an. Es handelt sich um:

Eve Harris - Die Hochzeit der Chani Kaufman

464 Seiten, Diogenes; 26. August 2015
Originaltitel: The Marrying of Chani Kaufman

Chani Kaufman ist hübsch, intelligent und hat ihren eigenen Kopf – nicht die besten Voraussetzungen auf dem hartumkämpften jüdisch-orthodoxen Heiratsmarkt. Schon gar nicht, wenn ihr zukünftiger Ehemann Baruch Levy sein soll. Baruch wird bald in Jerusalem studieren und der erste Rabbi in einer Familie erfolgreicher Unternehmer sein. Sie haben sich dreimal gesehen, sie haben sich noch nie berührt, aber sie werden heiraten.

Chaim Zilberman und Rebecca Reuben waren auch einmal Studenten in Jerusalem. Heute sind sie Rabbi und Rebbetzin Zilberman, angesehene Mitglieder der orthodoxen Gemeinde Londons. Aus Liebe hatte Rebecca in das streng geregelte Leben an der Seite eines Rabbis eingewilligt – Sneakers gegen Ballerinas, Jeans gegen bodenlange Röcke und den Wind in ihren langen Haaren gegen einen Scheitel getauscht.
Vier Menschen auf der Suche nach ihrem Weg, zwischen Religion und vermeintlicher Freiheit.

Eve Harris, geboren 1973 in London, Tochter polnisch-israelischer Eltern, arbeitete zwölf Jahre als Lehrerin, darunter an katholischen und jüdisch-orthodoxen Mädchenschulen in London und Tel Aviv. ›Die Hochzeit der Chani Kaufman‹ ist ihr erster Roman; er schaffte es auf die Longlist des renommierten Man Booker Prize 2013 und war Finalist bei den National Jewish Book Awards 2014. Eve Harris lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in London.



Sie öffnet die Tür zu einer Welt, von der man sich kaum vorstellen kann, dass sie auch heute, und noch dazu in einer Metropole wie London, existiert. Zeitweise hab ich mich gefühlt wie in einem Paralleluniversum. Ich habe unterhaltsam von fremdem jüdisch-orthodoxen Leben erfahren.

Die Geschichte beginnt mit dem Tag der Hochzeit von Chani und Baruch und gleich zu Anfang wird eine erwartungsvolle Spannung um deren Hochzeitsnacht aufgebaut. Für beide, da streng jüdisch-orthodox aufgewachsen und erzogen, ein Mysterium, ersehnt und gefürchtet zugleich. Wie wird diese erste intime Begegnung zwischen den beiden jungen Menschen verlaufen, die ihre Hochzeit gegen alle Widrigkeiten durchgesetzt haben, und derer gab es einige. Und je näher man Chani und Baruch kennenlernt, desto gespannter sieht man diesem „Event“ entgegen, aber man muss Geduld mitbringen, es dauert.

Im weiteren Verlauf geht die Autorin immer wieder zurück in der Zeit, berichtet aus dem familiären Umfeld der beiden und rekapituliert den nicht ganz unkomplizierten Verlauf dieser Beziehung. Dabei erheitert sie ihre Leser mit kleinen Anekdoten.

Rebecca/Rivka, die Frau von Rabbi Zilberman, soll Chani auf die Ehe vorbereiten, steckt jedoch selbst in einer tiefen Krise. Als sogenannte säkulare Juden, weltoffen und religionskritisch erzogen, haben sie und ihr Mann Chaim sich in Jerusalem kennengelernt und waren sogleich verzaubert, von der Stadt und voneinander. Chaim fühlte sich zunehmend von dem streng orthodoxen Glauben angezogen. Rebecca verspürte zwar eine gewisse Faszination, hat sich aber letztlich nur aus Liebe zu Chaim für die enge Welt des orthodoxen Lebens entschieden. Nun ist sie schon lange seine „Rebbetzin“, doch trägt ihre Liebe noch angesichts der Probleme in ihrer Familie?

Die Autorin spricht offen über Tabuthemen, die gerade junge orthodoxe Juden beschäftigen. Deren Nöte und Gefühle schildert sie glaubwürdig und einfühlsam. Das in wunderschöner Sprache mit feinem Humor und oft sehr bildhaft. Man begegnet in diesem Buch einer Vielzahl von beeindruckenden Sätzen z.B.: „Er war ihr Freund, ihr Liebhaber und ihr Partner. Es fühlte sich an, als stürzte sie in ein warmes Meer und stellte fest, dass sie schwimmen konnte“.

Es ist toll und unterhaltend geschrieben. Man möchte immer weiter lesen und man lernt und erfährt viel über eine Religion, was man so nicht möglich gehalten hätte. Ich habe viel auch im Glossar nachgeschlagen, dies aber gern, weil ich merkte, etwas zu lernen.

Die Charaktere sind liebevoll und sypathisch beschrieben. Man merkt ihre Zweifel, Zerrissenheit im Konflikt mit dem, was die Familien und die Gemeinde an Handlungen von ihnen erwarten. Man ist mitunter sprachlos, wie manches ihnen anerzogen wird und sie programmiert funktionieren. Ich denke da gerade an den Rabbi, wie kühl er sich seiner Rivka gegenüber verhält. Das gerade vor dem Hintergrund, dass wir wissen wie die beiden Herzen allein zueinander gefunden haben.

„Die Hochzeit der Chani Kaufmann“ hat Potential für meine Jahreshighlights, es ist großartig!
Das Thema klingt trocken und verstaubt, was sicher manchen abschreckt. Doch Eve Harris erzählt lebendig und zeitgemäß, das Lesen mach einfach Spaß.

Habt keine Vorurteile gegenüber dem Buch. Lasst Euch darauf ein!


Ich wurde auf das Buch auch zufällig gestoßen. War im Dezember in einer Buchhandlung zur "Buchbescherung", d.h. neue Bücher wurden vorgestellt. Auch das Buch um Chani Kaufmann. Die begeisterten Worte der Buchhändlerin zu dem Buch machten mich neugierig und ich bin sehr froh darüber.

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Liebe Grüße von Christiane
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"Wenn Du ein Buch auf eine Reise mitnimmst, dann geschieht etwas Seltsames. Das Buch wird anfangen, Deine Erinnerungen zu sammeln. Du wirst es später nur aufschlagen müssen und schon wirst Du wieder dort sein, wo Du zuerst darin gelesen hast. Schon mit den ersten Worten wird alles zurückkommen - die Bilder, die Gerüche, das Eis, das Du beim Lesen gegessen hast." Mortimer Folchart


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BeitragVerfasst: 24.02.2016, 11:04 
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gesprächiges Gnu
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Ich freue mich, Christiane, dass es Dir genauso gut gefallen hat wie mir.

Das Buch hatte ich zu Weihnachten von meinen Eltern bekommen und habe es diesen Monat auch verschlungen, konnte gar nicht mehr aufhören.

Mir ist ja einiges bekannt, da ich nach dem Abitur ja gute zwei Monate in einem Kibbuz als Volontärin gearbeitet habe und damals natürlich auch Israel bereist habe. Aber für uns ist unvorstellbar, dass heute noch nach diesen Regeln gelebt wird.

Besonders gefallen hat mir, dass es verschiedene Perspektiven waren, aus denen erzählt wurde.

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Wibke :lesen


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BeitragVerfasst: 31.03.2016, 14:10 
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tiefsinniger Tiger
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Danke fürs Vorstellen, Christiane.

Ich hätte mir das Buch nie gekauft/ausgeliehen, obwohl wir es in der Bücherei haben. Der Titel sprach mich nicht an und dann noch bei Diogenes erschienen :kopfschuettel.

Aber es hat mich in seinen Bann gezogen. Ich wusste nicht und konnte es mir auch nicht vorstellen, dass die orthodoxen Juden tatsächlich auch heutzutage noch so leben.

Die Geschichten der beiden Frauen, Chani, die in die Religion herein geboren wurde, und Rivka, die über ihren Mann zum orthodoxen Judentum zurück fand (im Endeffekt ja eigentlich nicht), haben mich beeindruckt.

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Sabine

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BeitragVerfasst: 31.03.2016, 14:29 
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gebildeter Gepard
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Ich schließe mich Sabineb. an, ohne Eure Vorstellung wäre mir das Buch entgangen. Ich habe es letzten Monat gelesen und fühlte mich ein wenig an Pearl Abrahams "Romanleserin" erinnert, die ja auch im orthodox-chassidischen Milieu spielt.

Mir ging es bei der Lektüre fast so wie bei unentdeckten BBs, es war ein wenig wie Nachhausekommen. Ich habe das Glossar nicht gebraucht und da ich einige Zeit mehr in die Synagoge als in die Kirche gegangen bin, war mir vieles so vertraut, dass ich direkt im Geschehen drin war. Die unterschiedlichen Perspektiven fand ich klasse, sie erleichtern die Auseinandersetzung mit einem sehr fremden System und zeigen, dass es da sehr unterschiedliche Ansichten geben kann. Das Ende fand ich zeitlich passend und hätte mir trotzdem einen Epilog gewünscht, einfach weil ich mich noch nicht von den Figuren verabschieden wollte...

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BeitragVerfasst: 31.03.2016, 16:14 
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muntere Moderatorin
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Ich freue mich sehr, dass ich auch andere mit meiner Begeisterung anstecken konnte.

Nun muss ich nur noch unsere Biblotheknutzer für das Buch begeistern und deren Vorurteile beiseite schieben.
Ich habe ja auch schon mal daran gedacht Bücher nach dem Gottesdienst gleich mal von vorne in der Kirche vorzustellen. Da hätte man mal viele Zuhörer zeitgleich. Es braucht eben Zeit, dass in den Köpfen ankommt, dass nicht mehr eine 80-jährige Bücher aussucht. Ich brenne für etliche Titel, doch meine Begeisterung fürs Lesen ist allgemein nicht so verbreitet.

@ Sabineb: Bei Diogenes-Büchern geht es mir wohl ähnlich wie Dir. :grins

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BeitragVerfasst: 31.03.2016, 19:13 
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Dazu passt vielleicht die Krimireihe von Faye Kellerman. Ein nicht praktizierender jüdischer Detective, Pete Decker, verliebt sich in eine jüdisch-orthodoxe Frau, setzt sich mit seinem Glauben auseinander, die Entwicklung zwischen den beiden ziiht sich über einige Bände hin, und ich möchte nicht zu viel spoilern.
Ich war ja auch zwei Monate im Kibbutz und bin auch durch Israel gereist, aber es war kein orthodoxer Kibbutz. Es wurde in den Bänden sehr ausführlich und anschaulich geschildert, wie der orthodoxe Glauben praktiziert wird. Ich fand es sehr sehr informativ und sehr spannend.
Das Buch, welches Du vorgestellt hast, Christiane, werde ich auch mal auf meine Leseliste setzen. :yes

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BeitragVerfasst: 31.03.2016, 19:17 
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tiefsinniger Tiger
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Wir haben am Montag wieder unser monatliches Lesecafé. Da stelle ich es auf jeden Fall vor.

Danke, Kerstin, für den Tipp mit der Krimireihe.

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BeitragVerfasst: 31.03.2016, 20:01 
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Die Bücher von Faye Kellerman habe ich vor Jahren auch mal gelesen.
Ich kann Kerstin da nur bestätigen. Die Bücher sind wirklich gut.

LG Ulrike

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BeitragVerfasst: 31.03.2016, 22:49 
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Als ich mein E-Book geöffnet habe, dachte ich auch nur, oh, das ist ja von Diogenes :rotwerd . Ich hab's trotzdem gelesen, u.a. auch, weil Christiane Vorstellung mich so angesprochen hat.

Sabineb. hat geschrieben:
Aber es hat mich in seinen Bann gezogen. Ich wusste nicht und konnte es mir auch nicht vorstellen, dass die orthodoxen Juden tatsächlich auch heutzutage noch so leben.

Genauso ging es mir auch. Ich hatte zwar schon mal einen Bericht über orthodoxe Juden gesehen, es nur wieder verdrängt, wie abgeschottet diese leben.

Einen Epilog hätte ich mir auch noch gewünscht, Sandra. So vieles ist noch offen geblieben.


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BeitragVerfasst: 01.04.2016, 09:28 
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So - bei so viel Fürsprache hab ich mir das Buch auch grad eben bestellt! :-)

Aber was Ihr gegen Diogenes habt???
Ich lese leidenschaftlich den Commissario Brunetti - und die Ingrid-Noll-Bücher sind doch auch in Diogenes erschienen?

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BeitragVerfasst: 01.04.2016, 12:33 
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@Kerstin: In der Tat. Als ich gemerkt habe, dass bei der Decker-Reihe den Fall jeweils überspringe und nur die Berschreibungen des Lebens von Rina und Peter lese, habe ich aufgehört... Da es mir bei der Almut-Reihe auch so ging, vermute ich, dass ich eine Schwäche für religiöses Leben habe (wie überraschend... :lachen )

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BeitragVerfasst: 01.04.2016, 18:37 
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Heidrun hat geschrieben:
Aber was Ihr gegen Diogenes habt???
Ich lese leidenschaftlich den Commissario Brunetti ...


Das verstehe ich auch nicht. Diogenes steht doch für sprachliche Qualtität. Gut, es ist eher weniger Belletristik, aber ein bisschen Anspruch ab und an ist doch auch ganz nett.

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BeitragVerfasst: 01.04.2016, 19:04 
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gesprächiges Gnu
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Biene hat geschrieben:
Heidrun hat geschrieben:
Aber was Ihr gegen Diogenes habt???
Ich lese leidenschaftlich den Commissario Brunetti ...


Das verstehe ich auch nicht. Diogenes steht doch für sprachliche Qualtität. Gut, es ist eher weniger Belletristik, aber ein bisschen Anspruch ab und an ist doch auch ganz nett.


Sehe ich auch so. Und Joan Aiken ist auch dort erschienen, ebenso wie die Bücher vom kleinen Nick.

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BeitragVerfasst: 01.04.2016, 23:27 
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@Sandra: in der Tat, sehr überraschend :ggg

(Mit dem Diogenes Verlag verbinde ich meine ganzen Loriot-Bände ).

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BeitragVerfasst: 01.04.2016, 23:42 
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Diogenes finde ich klasse und denke zuerst an Maigret...

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BeitragVerfasst: 04.04.2016, 16:07 
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Ein wirklich großartiges Buch.
Allerdings kam das Ende dann doch etwas plötzlich, zumindest auf den ersten Blick. Da es ja um Chanis Hochzeit geht, war ja eigentlich alles erzählt. Aber ich hätte mir auch einen Epilog gewünscht, denn auch für mich blieben einige Dinge offen.

Ich bin immer noch erstaunt darüber, dass so ein abgeschottetes Leben quasi mitten unter uns gelebt wird. Und das man sich sogar freiwillig dafür entscheidet so wie Rivka.
Die jungen Leute wie Baruch oder Chani wachsen zwar in dieser strengen Gemeinschaft auf, aber sie erleben doch um sich herum auch das andere, für uns normale Leben. Und trotzdem kommt ihnen gar nicht der Gedanke, ausbrechen zu wollen.
Das Buch hat mich in eine fremde Welt und Zeit entführt. Ich musste mir immer wieder klar machen, dass es doch in London und 2008 spielt.

Das Glossar war gut und hilfreich. Einiges war mir bekannt, aber längst nicht alles.
Das Buch hat mich auch wieder daran erinnert, dass doch viele Worte aus dem Jiddischen auch in unserer Alltagssprache sehr gebräuchlich sind.

Danke für diese tolle Empfehlung, Christiane :blumen
Chani und ich tragen übrigens den gleichen Mädchennamen. :ggg

Groeten van Texel

LG Ulrike

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 Betreff des Beitrags: Re: Jüdisch-Orthodox
BeitragVerfasst: 28.03.2020, 22:36 
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Ich bin die Tage über einen Trailer für eine Mini-Serie bei Netflix gestolpert - Unorthodox.
Darin geht es um eine junge Frau (fast noch ein Mädchen), das aus einer Jüdisch-Orthodoxen Glaubensgemeinschaft aussteigt.

Unorthodox

Eine junge chassidische Jüdin aus Brooklyn flieht aus einer arrangierten Ehe und kommt in Berlin bei einer Musikgruppe unter. Doch dann holt sie ihre Vergangenheit ein.

So viel zu der Info, die man auf Netflix findet.
Ich habe dann noch im Netz gewühlt und weitere Infos gefunden, die leider auch schon sehr viel spoilern, deshalb mein Rat an euch. Wenn euch das Thema interessiert, dann schaut die Serie an und lest hinterher erst die Kritiken und Informationen, die es im Netz dazu gibt!

Ich finde die Serie (4 Teile - jeweils ca. 50 Minuten) richtig richtig gut! Der Teil, der in Williamsburg Brooklyn New York spielt, ist in Jiddisch mit deutschen Untertiteln. Im Großen und Ganzen konnte ich das Jiddisch auch ohne Untertitel recht gut verstehen, doch zwischendurch gab es dann wieder Wörter, wo ich froh war, dass es untertitelt war :ggg , doch gerade, dass es Jiddisch ist, macht diese Serie noch viel authentischer!

Esty ist eine junge Frau, die in Williamsburg Brooklyn New York City aufgewachsen ist. Doch in einem Teil von New York City, der völlig abseits dessen ist, was man sich als Big Apple vorstellt. Esty selbst, spricht immer von der Community, wenn sie von ihrer Herkunft spricht. Ich habe dann erstmal wieder im Internet wühlen und mich schlau machen müssen, um welche Gruppe der Jüdisch Orthodoxen es hier geht (https://de.wikipedia.org/wiki/Satmar).

Die Serie erzählt immer wieder in Rückblenden, wie es Esty in Williamsburg ergangen ist und was sie dort erlebt hat. Wie bereits schon im Buch Die Hochzeit der Chani Kaufman hat es mich so fasziniert, dass man es tatsächlich schafft, die Welt, die außerhalb einer solchen Community besteht, so verstecken und schlecht machen kann.

Die Serie erzählt aber auch, wie schwer es für Esty ist, sich im Berlin 2019 zurecht zu finden. Dass es für sie nicht normal ist, in einem Bikini in den Wannsee zu hüpfen, dass sie nicht weiß, wie das Internet funktioniert oder wie viele Sorten Kaffee es in einer Kaffeebar geben kann.

Angelehnt ist die Serie übrigens an das Buch Unorthodox von Deborah Feldman. Aber nur angelehnt. Die Rückblenden entsprechen dem Buch, doch die Zeit in der Gegenwart nicht. Das wird in dem Making of, das am Ende der Netflix Serie noch mal etwa 20 Minuten dauert (es lohnt sich!), nochmal deutlich gemacht wird. Da ich das Buch nicht kenne, konnte ich hier allerdings keine Vergleiche ziehen.

Mir (und auch meinem Mann) hat Unorthodox sehr gut gefallen. Es ist eine lustige, nachdenkliche, traurige und interessante Geschichte, die dahinter steckt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Jüdisch-Orthodox
BeitragVerfasst: 29.03.2020, 10:00 
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eifrigster Elefant
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Die Serie habe ich gestern Abend auch entdeckt und heute morgen fertig geschaut. Sehr fesselnd und die Schauspielerin der Etsy war toll :daumen

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 Betreff des Beitrags: Re: Jüdisch-Orthodox
BeitragVerfasst: 29.03.2020, 11:23 
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Wir haben die Serie gestern komplett geschaut. Das war total fesselnd.
Das Leben in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinscahft hat mich schon bei "Die Hochzeit der Chani Kaufman" von Eve Harris (sehr empfehlenswertes Buch übrigens, s.o.) ziemlich beeindruckt, aber diese ultraorthodoxen Chassiden sind wirklich verstörend.
Ein großer Teil der Serie ist Jiddisch und untertitelt, aber wir konnten vieles auch so verstehen. Ich glaube viele wissen gar nicht, wie hoch der Anteil an jiddischen Ausdrücken in der deutschen Sprache ist.

Einige Regeln und Bräuche fand ich wirklich sehr merkwürdig, z.B dass Esty direkt nach der Hochzeit die Haare komplett abrasiert wurden und sie den Kopf mit einer Perücke oder einem Tuch bedecken musste. Dass jüdische-orthodoxe Frauen oft Perücken tragen, wusste ich aus oben genanntem Buch, aber nicht, dass man die Haare auch komplett abrasiert bekommt.
Ganz zu Anfang, als Esty das Haus mit einer Tasche verlassen will, trifft sie im Foyer auf viele Frauen, die ihr sagen, sie könnte damit nicht raus, der Eruv wäre nicht geschlossen (in dem Fall bedeutetes das, dass ein Seil, dass zwischen Strommasten oder Laternen gespannt war, zerrrissen war.
Daraufhin geht sie zurück in die Wohnung, versteckt den Tascheninhalt am Körper und geht dann raus.
Damit konnte ich überhaupt nicht anfangen und habe dann gegoogelt, was Eruv ist und bedeutet. Das hatte ich noch nie gehört. Vereinfacht gesagt, stellt dieses Seil oder Band eine Art Zaun des jüdischen Wohngebietes dar, in dem andere Sabbatregeln gelten. Und wenn dieser Zaun durchlässig ist, weil er z.B. zerrissen ist, dann kann man die Regeln nicht einhalten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Jüdisch-Orthodox
BeitragVerfasst: 29.03.2020, 12:30 
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gebildeter Gepard
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So, jetzt habt ihr mir so Gusto gemacht, dass ich das Buch bestellt hab, obwohl es normal so gar nicht mein "Beuteschema" ist

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 Betreff des Beitrags: Re: Jüdisch-Orthodox
BeitragVerfasst: 29.03.2020, 14:08 
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eifrigster Elefant
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Ulrike hat geschrieben:

Ein großer Teil der Serie ist Jiddisch und untertitelt, aber wir konnten vieles auch so verstehen. Ich glaube viele wissen gar nicht, wie hoch der Anteil an jiddischen Ausdrücken in der deutschen Sprache ist.



Ja da war ich auch immer wieder überrascht das ich ganze Sätze praktisch ohne Untertitel verstanden habe. Ich finde es auch faszinierend das es solche Gemeinschaften gibt die in unserer Gemeinschaft leben und trotzdem so anders sind. So ein paar Dinge wie die Sache mit den Perücken hatte ich schon mal gehört.

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