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 Betreff des Beitrags: Beate Rygiert
BeitragVerfasst: 30.11.2021, 19:35 
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Beate Rygiert studierte Theater-, Musik- und Literaturwissenschaft in München und Florenz und war danach als Dramaturgin an verschiedenen Theatern engagiert. Im Jahr 2000 legte sie mit Bronjas Erbe ihren ersten Roman vor, 2001 folgte Die Fälscherin. Mit Die Pianistin eroberte sie sie 2020 die Spiegel-Online-Bestsellerliste. Ihre Romane werden außerdem in zahlreiche Sprachen übersetzt. Beate Rygiert lebt und arbeitet im Schwarzwald.[/i]


Die Ullsteinfrauen und das Haus der Bücher

Einer der bedeutendsten deutschen Verlage und seine heimlichen Heldinnen

Berlin in den goldenen 20ern: Auf einem Bankett lernt die schillernde Rosalie Gräfenberg den Generaldirektor des Ullsteinverlags Franz Ullstein kennen. Die junge Frau ist geschieden, erfolgreiche Journalistin und die beste Freundin von Verlagsredakteurin und Autorin Vicki Baum. Um Franz Ullstein ist es sofort geschehen. Er verliebt sich in Rosalie und macht ihr kurz darauf einen Antrag. Doch seinen vier Brüdern ist sie ein Dorn im Auge, zu unangepasst ist ihnen die junge Frau. Durch eine Intrige versuchen sie, Rosalie von Franz zu trennen. Aber Vicki Baum und ihr aufgewecktes Tippfräulein Lilli lassen nicht zu, dass nur die Männer die Regeln diktieren und Rosalies Ruf ruinieren. Ab jetzt entscheiden die Frauen selbst, was Erfolg ist und wie jede von ihnen ihr Glück finden wird.



Mein Leseeindruck:
Das Buchcover gefällt mir sehr gut. Es zeigt eine historische Ansicht von vielleicht "Unter den Linden" in Sepia, eingerahmt von zwei sich abwendenden Damen, im Stile der 20er Jahre, fürs Ausgehen frisiert und gekleidet. Im oberen Teil des Covers umrahmt eine Bordüre mit Fächermuster die Szene.

Autorenname, Buchtitel und Fächermuster sind mit Gold veredelt, auch auf dem Buchrücken - ein wirklich schön ansehbares Buch. Während des Lesens habe ich mir dieses Vergnügen des Betrachtens nicht gegönnt, sondern das Buch in einer Stoffbuchhülle geschont. Tick von mir, dass gelesene Bücher wie ungelesen im Regal stehen...

Der Roman hat Umschlagklappen mit einem Dialog aus dem Buch und Infos zur Autorin. Es enthält ein Nachwort mit hilfreichen Informationen zum Fortergehen der historischen Charaktere und eine kurze Danksagung. Einen kleinen Stammbaum zu den fünf Ullsteinbrüdern und ihren Kindern hat die Autorin uns im Rahmen der Leserunde zur Verfügung gestellt.


Ich habe den Roman sehr gern gelesen, weil er sehr kurzweilig und unterhaltsam geschrieben ist. Ich fand es sehr interessant mich durch einen Roman ein wenig mit dem Ullstein-Verlag zu beschäftigen und nebenbei von den bedeutenden Verlagsaktivitäten von vor 100 Jahren in diesem Haus zu erfahren.

Arbeite selber in einem mehr als 100 Jahre älteren Verlag als Ullstein und so sind meine Gedanken auch zu meinem Arbeitgeber mitunter gewandert, welche Geschichten ab 1747 hier zu erzählen wären. Mich beeindruckt, wie Unternehmen seit Jahrhunderten sich immer wieder neu erfinden müssen und neben der ganzen Fortentwicklung sich vielleicht auch noch auf ihre ersten Produkte besinnen. So stellen wir auch nach 275 Jahren noch dies her, wofür es einst die königlichen Privilegien zum Druck gab - das evangelische Kirchengesangbuch. Ich bin auch jemand, der unser Archiv hochhält und sich dort wohl fühlt. Leider sind durch die Kriege und Wasserschäden große historische Lücken entstanden. Viele der Angestellten und auch Führungskräfte wissen gar nicht, was wir früher alles verlegt haben. Ich bin eine Hüterin des Kellerschatzes.


Der Ullstein Verlag hat eine jüdische Vergangenheit. Dieser Roman spielt in der Weimarer Republik, haarscharf endet er, bevor es für Juden unbequem wurde. Er spielt genau genommen sogar nur in einem sehr kurzen Zeitraum in den Goldenen 20ern.

Mich hätte natürlich ein sehr viel längerer wechselvolle Zeitabschnitt noch viel mehr interessiert. Nun ist es aber so, dass die Autorin einen auf historischen Ereignissen basierenden Schmöker geschrieben hat, in dem eine Frau eine Rolle gespielt hat. Und so komme ich zu meiner Kritik:

Der Roman behandelt nur einen sehr kurzen Zeitraum von etwa drei Jahren, in dem Rosalie Ullstein eine Rolle im Leben eines Ullstein Erben gespielt hat. Bei dem Buchtitel hatte ich erwartet, dass hier eine für den Verlag länger prägende Ullsteinfrau portraitiert wird. Rosalie und Karl waren gerade mal knapp über ein Jahr ein Ehepaar. Passt für mich nicht, sie als Ullsteinfrau (s. Buchtitel) zu bezeichnen.

Mit den Ullsteinfrauen sollen vielleicht auch Vicki Baum, Rosalie und Lili gemeint sein, allerdings alle drei Damen spielen nur ein kurzes Gastspiel in ihrer Zusammenarbeit mit dem Verlag. Einzig bei der fiktiven Figur Lili weiß man nicht, ob sie vielleicht die aufstrebende Starautorin wird.

Die Autorin kann natürlich nichts dafür, dass die gewählten Protagonisten so waren, wie sie sie beschreibt und es ist auch gut und sehr richtig, denn ich bin von Beate Rygiert´s sehr guten Recherche überzeugt, etwas zu verändern. Vermutlich gab es keine bessere Alternative in der Verlagsgeschichte von Ullstein an weiblichen Protas., war die Berufstätigkeit einer Frau nicht in der Gesellschaft verbreitet und nicht erwünscht, sich in Männerangelegenheiten einzumischen.


Es ist eine spannende und tragische Angelegenheit, wie die neue Partnerin an Franz Seite beäugt wird und seine Brüder versuchen, die beiden auseinander zu bekommen. Dies gelingt, weil Liebe eine zu schwache Verbindung zwischen dem Ehepaar darstellt. Die Ullsteinfamilie sitzt am längeren Hebel Beweise zu finden, die Franz zur Vernunft bringen sollen, sich scheiden zu lassen. Ich hätte gern noch etwas länger bei den Ullsteins verweilt.

Die Geschichte der fiktiven Personen, Lili und Emil, gliedert sich erzählerisch sehr gut in das Geschehen und ich mochte die beiden, sowie Lilis harmonische und liebevolle Familie sehr gern. Diese bürgerliche Familie bietet einen guten Ausgleich zur voreingenommenen Ullsteinfamilie, die es dem Bruder und der neuen Schwägerin sehr schwer macht.

Ich gebe dem Buchgenuss 8,5/10 Punkten.

_________________
Liebe Grüße von Christiane
***********************************
"Wenn Du ein Buch auf eine Reise mitnimmst, dann geschieht etwas Seltsames. Das Buch wird anfangen, Deine Erinnerungen zu sammeln. Du wirst es später nur aufschlagen müssen und schon wirst Du wieder dort sein, wo Du zuerst darin gelesen hast. Schon mit den ersten Worten wird alles zurückkommen - die Bilder, die Gerüche, das Eis, das Du beim Lesen gegessen hast." Mortimer Folchart


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