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BeitragVerfasst: 28.08.2009, 13:13 
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tiefsinniger Tiger
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Ingvild Christine Herzog

„... warum wird dort höhnisch von einem „happy end“ gesprochen?...“

Das Mädchenbuch - populäre Literatur oder Populärliteratur.

Abschlussarbeit in Literaturwissenschaft, Universität Oslo, Oslo 1997


3.Kapitel: Annik Saxegaard

Annik Saxegaard (1905-1990) wuchs in Nordstrand außerhalb von Oslo auf. Sie schrieb einige Plauderstunden für das Radio, kleinere Werke und Sketche für Kinder und Jugendliche. Sie begann 1925 als „Radiotante“ im NRK (Norwegischer Rundfunk), führte dort über hundert Sketche auf und hielt ebenso viele Plauderstunden. Sie schlug auch eine gewisse journalistische Laufbahn ein. Von 1933-34 war sie Redaktionssektretärin für die Zeitschrift „Wir Frauen“ und redigierte die Kinderseite der „Morgenzeitung“ in Bergen. Saxegaard war im Widerstand während des Krieges aktiv und 1948 bekam sie, als erste Journalistin, die Einreiseerlaubnis für Deutschland. 1958 zog sie nach Deutschland zu einer guten Freundin, die in Kiel Ärztin war. Von 1971 (?) an schrieb sie ihre Bücher auf deutsch, mit Ausnahme der Ina-Bücher, und keins von diesen wurde ins Norwegische übersetzt. Sie hatte viele Jahre Krebs und musste schließlich 1990 den Kampf gegen ihn aufgeben, sie starb in Kiel.

Annik Saxegaard hat rund 79 Bücher, Bilderbücher, Kinderbücher und Mädchenbücher auf Norwegisch geschrieben, und rund 20 Mädchenbücher auf deutsch. Wenn diese Zahlen nicht endgültig sind, dann liegt das daran, dass das Material über Annik Saxegaard Schriftstellertätigkeit sehr dünn und oft fehlerhaft ist. Die Bibliogradie der Norwegischen Frauenliteraturgeschichte, Band 3, ist zum Beispiel mangelhaft. Ihr erster Roman kam 1935 herau. „Zwei Zimmer mit Küche“ fand bei den Kritikern eine sehr gemischte Aufnahme. Viele von ihnen waren wütend, und meinten, man könne Norwegens jungen Töchtern nicht eine solche Unmoral servieren. Den sebst, wenn der Roman als Untertitel nur „Roman“ und kein Wort von Mädchen hatte, und Saxegaard in Interviews selbst prezisierte, dass er es nicht war, wurde er doch von dem meisten Kritikern als Mädchenbuch aufgefasst. Saxegaard gab im selben Jahr ein Mädchenbuch heraus (übrigens ohne eine einzige kleine Verliebtheit), „Wir und Elling“. Wenn die junge berufstätige Benedicte in „Zwei Zimmer mit Küche“ nach Deutschland in Urlaub fährt und dort ein kurzes und unverbindliches Abendteuer mit dem jungen Sohn der Wirtin hat, reisen die vier jungen Mädchen in „Wir und Elling“ per Bootstour entlang der norwegischen Westlandsküste und genießen die freie und unverschmutzte Natur der Mutter Norwegen (ohne Nikotin). „Wir und Elling“ ist eine etwas merkwürdige Mischung einer Liebeserklärung an Norwegens Natur, Frische und Reinheit auf der einen Seite und mit einer klar erziehenden Tendenz auf der anderen. Die Opferbereitschaft, Natürlichkeit und Frische der Mädchen wird dem Leser fast gezwungenermaßen in den Hals gestopft. Benedicte wird viel realistischer beschrieben. Sie wird außerhalb einer Ehe schwanger und entscheidet sich dafür, alleinerziehende Mutter zu werden. 1935 war das ein sehr schwerer Beschluss. Benedicte überdenkt die Wahl, die sie vornimmt, sorgfältig durch und verhält sich dementsprechend. Sie fängt an, weniger Schminke zu gebrauchen und hört auf zu rauchen, so dass ein „Gesundheitsevangelium“ hier auch Einzug hält, wie in so vielen Saxegaard-Romanen, aber weniger auffällig als in „Wir und Elling“. Es wirkt so als ob Saxegaard versucht hat, in ihrem „Mädchenbuch“ eine Vorsicht an den Tag zu legen, die sie in ihrem Roman gegen Aufrichtigkeit getauscht hat. Annik Saxegaards Bücher sind übrigens von einem Glauben geprägt, dass alle Menschen in sich haben, etwas ausprobieren zu können, und machen sie es, werden sie auf die ein- oder andere Weise glücklicher werden.

Saxegaard hat jedenfalls drei Serien auf Norwegisch geschrieben, als Serie werden hier mindestens drei Romane mit den gleichen Hauptpersonen oder eine bekannten Personenauswahl verstanden. Zu diesen gehören die Anne-Bücher, die Ina-Bücher und die Lisbet-Bücher. Die Charaktere von „Zuverlässige junge Dame erhält eine Stelle“ (1958, „Bleib bei uns, Beate“) tauchen wieder in „Unmögliche Cecilie“ (1961, „Hab Mut, Katrin“) auf, und offensichtlich in einigen Romanen, die nur auf deutsch erschienen sind, „Sonjas dritte Sternstunde“ und „Machst du mit, Senta“, da Sonja und Senta Zwillingsschwestern sind, die in den beiden oben erwähnten norwegischen Texten auftreten. „Die ganze Welt gehört mir“ (1963, „Zwei Briefe für Britta“) und „Was sollen wir mit Marion machen“ (1966 „Marions glücklicher Entschluss“) haben die gleiche Personalgalerie, mit einigen Zusätzen. In „Sag es, wie es ist“ (1947) tauchen die gleichen personen auf, die auch schon in „Junge Dame aus guter Familie“ (1942) dabei waren. Es gibt offensichtlich einige Fortsetzungen und einige mögliche Serien unter den deutschen Büchern. Es ist sehr schwierig herauszufinden, da die deutschen Titel überhaupt nicht mit den norwegischen übereinstimmen. Die deutschen Ausgabe-Jahre unterscheiden sich auch erheblich von den norwegischen. Besonders verwirrend ist, dass viele Bücher in Deutsch als Neuausgaben herauskamen, und das oft mit anderen Titeln. 1988 erschien eine Jubiläumsserie im Schneider-Verlag und 1994 eine weitere. Bei dieser großen Produktion war es sehr schwierig, Bücher zur Analyse auszuwählen, aber die Wahl fiel auf „Zwei Zimmer und Küche“, Saxegaards Debüt-Buch und „Meine Tochter Lisbet“ (1944), welches der größte Publikumserfolg war, den Saxegaard hatte.

Es kann die Frage gestellt werden, in wie weit eine Analyse der beiden Mädchenbücher der gleichen Verfasserin und der daraus gezogene Schluss, dass diese beiden nicht als Populärliteratur eingereiht werden können, ein Beweis dafür sind, das Mädchenbücher es generell nicht sind. In diesem Kapitel und im Kapitel über Mädchenbücher wurde versucht zu zeigen, was Mädchenbücher umfassen und dass Annik Saxegaards Bücher typische Repräsentanten für diese sind. Mit dem Aufzeigen, dass zwei Mächenbücher keine Populärliteratur sind, wurde damit ein Fragezeichen gegenüber der Annahme gesetzt, in wie weit es richtig ist, alle Mädchenbücher als „typisch populärliterarisch“ einzureihen. Außerdem kann gezeigt werden, dass, weil „Meine Tochter Lisbet“ und „Zwei Zimmer mit Küche“ Mädchenbücher sind, die alle typischen Eigenschaften von Mädchenbücher aufweisen, man sagen können sollte, dass es falsch ist, Mädchenbücher als Genre zu bezeichnen, wenn es keine Populärliteratur ist. Es werden sich zweifelsohne Mädchenbücher finden, die typisch populärliterarisch sind. Aber die sind Repräsentaten für die Populärliteratur und nicht für typische Mädchenbücher.

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:elch Hier antwortet entweder Ex-Polarlicht Madlen oder das ärztlich verordnete M.B.I. Bild
Geliebt wirst du einzig wo schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren - Adorno -


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