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 Betreff des Beitrags: Sara Grant
BeitragVerfasst: 26.03.2011, 23:23 
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gesprächiges Gnu
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Registriert: 19.02.2007, 20:36
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Wohnort: Freiburg
Neva
von Sara Grant


Die Welt der 16-jährige Neva ist im Niedergang begriffen. Die Ressourcen werden knapp, Technik und Infrastruktur beginnen zu zerfallen, für Reparaturen fehlt es an Rohstoffen. Die Bevölkerung schrumpft, ganze Gebiete unter der riesigen Protektorkuppel, welche ihre kleine Gemeinschaft vor den Gefahren des draußen schützt, werden aufgegeben und veröden. Irgendwie sehen sich alle Menschen ähnlich, es kommt zu immer mehr Fehlgeburten und die Regierung will die jungen Leute dazu ermuntern sich möglichst bald und erfolgreich fortzupflanzen.
Was Neva jedoch wirklich beschäftigt ist, wohin verschwinden die Menschen? Erst verschwindet ihre Großmutter, dann immer mehr Menschen und keiner spricht mehr über sie, als hätten sie nie existiert. Heimlich führt sie eine Liste mit den Namen der Verschwundenen und fragt sich immer häufiger wohin diese Menschen wohl gegangen sind. Gibt es Leben außerhalb der Kuppel?


Wieder ein neues Phänomen (oder besser ein altes aus den 80er Jahren), welches den Buchmarkt überschwemmt. Nach den Vampiren nun die Dystrophien. Die desillusionierte Jugend von heute findet sich wohl wieder in diesen No Future Geschichten der 1980er.
Dieses erneute Aufflammen des Genre beutet aber zugleich, dass es nur alte Geschichten neu aufkocht. Alle 10 Jahre werden diese Geschichten leicht verändert neu veröffentlicht, so auch dieses Buch. 2003 veröffentlichte Jeanne DuPrau "Lauf gegen die Dunkelheit". Dieses Kinder- und Jugendbuch beschreibt eine Stadt in einer Höhle, eine abgeschlossene Gesellschaft, die langsam zusammenbricht und nur noch auf den Ruinen der Vorfahren lebt. Keiner weiß ob es außerhalb von Ember noch Leben gibt, aber einige sollen es geschafft haben, die Stadt zu verlassen.
Kommt einem bekannt vor? Ja, das ist der Grundplot von Neva. Während jedoch 'City of Ember' eine elegante Geschichte über eine in sich geschlossene Gesellschaft im Niedergang beschreibt, verwässert die Autorin von Neva diese durch einen gehörigen Schuss an Teenie Liebesdrama (natürlich keusch, kein Sex in dieser schrecklichen, schrecklichen Welt, denn wer will das seinen Kindern zumuten) und der üblichen Schema F-Dreiecksgeschichte, bzw. Vierecksgeschichte: Mädchen 1 wird von Junge 1 geliebt, liebt selber aber Junge 2, der mit Mädchen 2 (beste Freundin) zusammen ist. 1/3 - die Hälfte der Handlung wird also auf dieses ausgelutschte Liebesdrama verschwendet, statt sich den wirklich interessanten politischen und sozialen Folgen dieser abgeschotteten Gesellschaft zu widmen, die an ihrer eigenen Konservierung zu Grunde geht. Dieser Aspekt wird aber nur angerissen, am Rande erwähnt aber nicht annähernd ausgeschöpft und das werfe ich diesem Buch vor. Ein interessantes, zum nachdenken Anregendes Thema mit Potential wird für eine ausgelutschte Standardliebesschmonzette geopfert. Das Ganze wird gegen Ende noch mit einer gehörigen Priese The Handmaid's Tale (1985) gewürzt und Fluchthelfergeschichten wie man sie aus der DDR kennt.

Die Charakterisierung der Personen ist teils einfach Unglaubwürdig. Ich weiß nicht wie andere Eltern ticken, aber mein Vater würde mich in die Geheimnisse einweihen, die er hütet und versuchen das Wissen an mich, sein eigen Fleisch und Blut, weiterzugeben. Wenn er schon seiner Tochter nicht traut, wem dann noch? Nevas Vater jedoch ist seltsam, fleischlos und ein durch und durch konstruierte Persönlichkeit, der es an Glaubwürdigkeit mangelt, was besonders bei den Wendungen zum Schluss offensichtlich wird. Auch andere Personen bleiben blass, farblos und leblos und sterben und verschwinden einfach so nebenbei.

Fazit: Schaler Aufguss von City of Ember, gewürzt mit The Handmaid's Tale und verwässert mit einer Schema- F Teenie Liebesgeschichte. Seichte Katastrophenunterhaltung für die neue No Future Generation.


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