Ich finde, man kann sehr gut sehen, daß Enid Blyton erst "Hanni und Nanni" geschrieben hat und dann "Dolly".
Bei "Dolly" hat sie nämlich all die Fehler vermieden, die sie bei "Hanni und Nanni" gemacht hat (ich rede von den Bänden, die wirklich von ihr sind):
- Dollys Entwicklung ist nicht nach Band 1 abgeschlossen, sie bleibt bis zuletzt interessant
- die Dolly-Reihe hat einen "festen" Bösewicht (Evelyn), es muß nicht in jedem Band ein neuer Fiesling eingeführt werden (bei Hanni und Nanni braucht man in jedem Band eine neue Schreckschraube (Erica, Helene, Else, Angela), weil die vorige immer die Schule verläßt)
- die Mädchen behalten ihre grundlegenden Eigenschaften bis zuletzt bei, es kommen nicht plötzliche Änderungen (bei "Hanni und Nanni" ist z. B. Marianne in der 5. Klasse plötzlich ein Sportfreak, während es kurz nach ihrer Ankunft in Lindenhof noch heißt, sie sei völlig unsportlich - ihre anfängliche Musikleidenschaft verschwindet ebenso plötzlich - Angela ist zunächst sportlich und dann plötzlich nicht mehr - usw.)
- es gibt einen Band über jedes Schuljahr, also einen sehr stringenten Aufbau
Welche der Reihen mir besser gefällt, kann ich nicht genau sagen.
Bei Dolly gefällt mir besser, daß Enid Blyton die oben genannten "handwerklichen" Fehler vermieden hat - und Schneider war so vernünftig, stimmige Fortsetzungen schreiben zu lassen und mit Dollys Ernennung zur Direktorin einen "runden" Schluß zu schaffen - während man Hanni und Nanni durch Fortsetzungen und Lückenfüller komplett verschandelt hat. Das ist natürlich nicht Blytons Schuld.
Hanni und Nanni haben aber auch ihre Vorzüge - ich fand die Serie immer ein bißchen toleranter und die Darstellungen nicht ganz so schwarz-weiß - z. B. ist Elli, die Cousine der Zwillinge, zwar albern und nicht besonders helle, aber sie ist trotzdem ein nettes Mädchen mit einem guten Charakter, während Evelyn in Möwenfels einfach nur fies ist. Und Claudine ist ein sympathischer Charakter, obwohl - oder gerade weil - sie anders ist als die anderen; sie muß sich nicht unbedingt anpassen.
In Lindenhof ist auch das Personal etwas interessanter als in Möwenfels - in Möwenfels sind alle Lehrerinnen (bis auf die Französischlehrerinnen) kaum voneinander zu unterscheiden, in Lindenhof sind sie verschieden - die temperamentvolle "Mamsell", die überforderte Miss Kennedy, die sich nicht durchsetzen kann, Fräulein Willmer, die prompt in die Falle tappt, die eine Schülerin ihr gestellt hat, die stellvertretende Hausmutter, die lange nicht so nett ist wie die "richtige"...
Schwierig! Aber man kann ja beide Serien mögen.
